Da ja nun doch einige in der Community die Grossen 295mm Bremssättel des Avensis fahren, habe ich mal bei einer meiner Sattel
Überholungen einige Fotos gemacht und einen Text dazu verfasst. Wer also seine Sättel neu abdichten / überholen möchte, der
kann sich mal anschauen, wie das in etwa abläuft! :)

Also ich lege einfach mal los.


Reinigung:

Wenn man einen Satz gebrauchter Sättel hat, sehen sie meistens sehr schlecht aus:


Nun kann man sie bspw. sandstrahlen lassen, was dann so aussieht (bereits mit Grundierung:


Wenn die Sättel gestrahlt werden, müssen sie auf jeden Fall zusammengebaut bleiben. Also Sattelhalter und Sattel können
natürlich getrennt werden, klar. Aber auf jeden Fall Kolben, Dichtungen, Manschetten, Schrauben, Restschläuche alle drin/dran
lassen! Denn dann ist der Sattel soweit dicht und das Strahlgut kann nicht in die Ritzen oder Hohlräume eindringen. Denn den
ganzen Sand bzw. das Strahlgut danach wieder rauszupulen ist eine Strafe…und meist bleibt doch etwas zurück, was natürlich
gerade in der Bremse sehr unschön ist!

Die 8 Metallklammern des Sattelhalters (wo die Bremsbeläge einrasten) aber auf jeden Fall ausklemmen, damit darunter schön
gestrahlt werden kann!

Alternativ zum sandstrahlen, kann man die Sättel aber auch sehr gut mit einem Zopfbürstenaufsatz für die Flex selber reinigen
und vom Rost befreien:


Danach sehen die Sättel dann so aus:




In beiden Fällen sollten die Sättel aber sofort grundiert bzw. mit Korrosionsschutz versehen oder lackiert werden. Denn der
Guss rostet innerhalb von Minuten.


Überholung der Sättel

Wenn die Sättel gestrahlt wurden, geht’s daran, ihn zu zerlegen. Die Manschetten und Dichtungen sind durch das Strahlgut nun
porös und müssen erneuert werden!

Im Vorfeld müssen folgende Dinge besorgt werden: Dichtungssatz für die Bremssättel bestehend aus: Manschette für den Kolben,
4-Kant Dichtring, Manschetten für die Führungsbolzen, Gumminoppe (Klapperschutz) der Führungsbolzen:


Und auch noch ATE Bremskolbenpaste, Keramikpaste, Dichtung für den Bremsschlauch/Hohlschraube, mittelgrobe Schleifpads,
Bremsenreiniger.

Zum fachgerechten demontieren des Kolben wird zwingend ein Druckluftkompressor benötigt. Nur so kann man den Kolben schnell,
leicht und ohne ihn zu beschädigen ausbauen.
Die Druckluftpistole wird an die Bremsschlauchöffnung (etwas mit einem Lappen abdichten; Entlüftungsnippel zudrehen)
angesetzt und dann langsam Druck gegeben, bis der Kolben aus dem Gehäuse springt.
(Finger weg vom Kolben – Einklemmgefahr). Bitte keine Wasserpumpenzange o.ä nehmen und versuchen, den Kolben so rauszuholen…
NUR mit Kompressor, andernfalls kann der Kolben verkanten und beschädigt werden!




Mit entferntem Kolben sieht der Sattel nun so aus:


Nun wird folgendes benötigt: Bremsenreiniger, Schleifpads, Bremskolbenpaste.

Erstmal den Kolben und das Kolbengehäuse von der Bremsflüssigkeit befreien und mit Bremsenreiniger säubern.


Die Staubmanschette samt enthaltenem Metallring aushebeln:




Den Kolbendichtring ebenfalls entfernen. Dabei auf keinen Fall die Nut des Gehäuses beschädigen:


Alles schön mit Bremsenreiniger säubern:


Nun nimmt man ein mittelgrobes Schleifpad. Das sind dünne, schwammartige Pads (Schleifvlies) mit rauer Oberfläche.
Sie sind weicher als Schleifpapier, hinterlassen keine eigenen Rückstände, man erzielt einen konstanten Schliff und man
kann das schleifen besser kontrollieren. Damit wird der Kolben gesäubert, falls Schleifspuren oder Verfärbungen vorhanden
sein sollten, werden diese entfernt. Sieht er noch sehr gut aus, nur mal leicht mit dem Schleifpad abputzen:


Auch das Kolbengehäuse kann kurz mit dem Schleifpad gereinigt werden:


Nach dem schleifen mit dem Pad kann alles noch mal mit Bremsenreiniger gesäubert werden, um Schleifrückstände zu entfernen:


Das Kolbengehäuse mit dem Kompressor ausblasen! Sauberkeit ist hier sehr wichtig!


Nun wird die Bremskolbenpaste benötigt.
Ich nehme immer die ATE Bremskolbenpaste, hat sich bei mir immer gut bewährt! Ansonsten irgendetwas in Richtung Lithium Fett
nehmen:


Die Nut für die 4-Kant Dichtung leicht einfetten:


Den neuen Dichtring ebenfalls anfetten:


Und den Dichtring in die Nut einsetzen:


Den Kolben komplett dünn mit der Kolbenpaste einfetten:


Die Staubmanschette am Bund innen etwas anfetten:


Und sie auf den Kolben setzen (Konus nach oben):


Nun kann der Kolben ABSOLUT GERADE angesetzt werden:


HINWEIS: Man kann auch erst die Manschette ansetzen und festschlagen und DANACH dann den Kolben einsetzen. Allerdings ist es
dann oftmals sehr fummelig, den glitschigen Kolben durch die dann enge Öffnung der Manschette zu führen, wo man oft einen kleinen Schraubendreher
als Hilfe nutzen muss um die Manschettenöffnung um den Kolben zu bendeln. Also am besten ausprobieren, wes einem mehr zusagt ;)

Der Kolben muss mit mittlerem Druck per Hand in das Gehäuse geschoben werden. Er darf auf keinen Fall verkanten, da so der
Dichtring oder der Kolben beschädigt werden kann. Der Kolben muss unbedingt gleichmäßig eingedrückt werden! Ich habe
zusätzlich noch eine kleine Metallplatte auf den Kolben gelegt, damit ich ihn absolut gleichmäßig eindrücken kann:
(Hierbei nicht vergessen, dass die Bremsschlauchbohrung oder der Entlüftungsnippel offen sein müssen…denn sonst kann man
drücken so viel man will…wenn man gegen einen abgedichteten Raum hinter dem Kolben ankämpft, wird er nicht reingehen)




Wenn der Kolben drin ist, muss die Staubmanschette noch ein wenig in ihren Sitz gedrückt werden. Erstmal soweit wie es geht
runterdrücken, dann kann man die Manschette mit einem geschützten Schraubenzieher und LEICHTEN Schlägen in die Nut eindrücken:






So sitzt die Staubmanschette dann korrekt drin:


Wenn alles eingebaut ist, kann man den Kolben auf Funktion prüfen. Entlüftungsnippel zudrehen und Druckluftpistole am
Bremsschlauchloch ansetzen (mit Lappen abdichten) und LEICHT den Abzug drücken. Am besten einen Hammer zwischen legen,
falls man zu stark drückt, damit der Kolben nicht wieder raus springt. Der Kolben muss, wenn man den Abzug loslässt,
sich von alleine ein paar Millimeter nach hinten bewegen (Lüftspiel). Dann ist der 4-Kant Ring richtig eingesetzt.
Denn dadurch, das der Dichtring ja 4 Kanten hat, verdreht sich der Dichtring bei der Vorwärtsbewegung des Kolbens und
baut somit eine Spannung auf. Fällt der Druck nun ab, entspannt sich der 4-Kant Dichtring und zieht somit den Kolben
leicht zurück (Das geschieht im Millimeter Bereich, also kaum sichtbar):



Die Führungsbolzen des Sattelhalters



Die Führungsbolzen ebenfalls mit einem Schleifpad reinigen:



Die Führungsbohrungen im Halter ebenfalls leicht schleifen:


Danach die Bohrungen und die Bolzen mit Bremsenreiniger reinigen. Die Bohrungen anschliessend noch mit der Druckluftpistole
ausblasen:




Die Führungsbolzen können nun LEICHT mit Keramikpaste, oder der offiziell empfohlenen Toyota Paste angefettet werden:
(KEINE Kupferpaste verwenden)
Beim einfetten gilt: Weniger ist mehr! Fett neigt zum verharzen und zieht, vor allem an nicht geschützten Bereichen,
Schmutz an. Also nur dünn einfetten, die neuen Manschetten vorher auf die Bohrung des Halters setzen und den Bolzen
wieder einführen:




Das Gummi um den zweiten Bolzen: In den letzten Jahren kam es bei Toyota vermehrt zu Schwergängigkeiten und zu
Klappergeräuschen, die ein Austausch des Gummis nötig machten. Ich persönlich habe, der Gängigkeit zur Liebe, diesen
Klapperschutz entfernt. Bei mir traten keinerlei Geräusche auf und der Sattel bewegt sich natürlich perfekt:


Beim Sattelhalter wird das Fett NUR UNTER die Halteklammern aufgetragen. NICHT AUF die Halteklammern.


Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen hilfreichen Überblick über das Überholen dieser Bremssättel geben. :)




Eingebaut kennt sehen die Sättel eben dann z.B. so aus:


Vergleich der Grösse OEM Pre-Facelift vs. T25:


Hier nochmal der Link zum Umbau Thread:
http://www.celica-community.de/showthread.php?t=25113